29. Mai 2016

LKA warb Jenaer Bandenchefs an


Waffen für den NSU? V-Männer wollten organisierte Kriminalität fest in deutscher Hand wissen

Im Zusammenhang mit der Terrorgruppe »Nationalsozialistischer Untergrund« (NSU) sind zwei weitere V-Männer enttarnt worden. Die Zwillingsbrüder Ron und Gil E. aus Jena, die in den 1990er Jahren eine kriminelle Bande angeführt und Neonazis mit Waffen versorgt haben sollen, seien zur selben Zeit »Vertrauenspersonen« des Thüringer Landeskriminalamts (LKA) gewesen, berichtete der MDR Thüringen am Donnerstag abend unter Berufung auf ihm vorliegende Akten.

Im Münchner NSU-Prozess waren Ron und Gil E. bereits als Zeugen geladen, hatten aber vom Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch gemacht, nach dem sie sich nicht selbst belasten müssen.

Andere Zeugen hatten teils vor Gericht, teils in Polizeivernehmungen erklärt, die Brüder hätten die mutmaßlichen NSU-Gründer Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gekannt.

Die Bande der Zwillinge geriet ins Visier der Prozessbeteiligten, als diese zu klären versuchten, wie eine »Ceska 83«-Pistole, die später bei neun rassistischen Morden verwendet wurde, aus der Schweiz nach Jena kam. Im Februar dieses Jahres hatte ein ehemaliges Bandenmitglied vor Gericht gesagt, die Gruppe habe in den 1990er Jahren gezielt Neonazis bewaffnen wollen, um gegen ausländische Konkurrenten auf dem Gebiet der organisierten Kriminalität vorzugehen.

Der 1998 untergetauchte und 2011 zu Tode gekommene Neonazi Uwe Böhnhardt war schon als Jugendlicher in deutsche Bandenstrukturen in Jena eingebunden: Seit 1993 hatte er Vorstrafen wegen Diebstahls und Fahren ohne Führerschein gesammelt. Auch den »Thüringer Heimatschutz«, wo sich Böhnhardts extrem rechte Gesinnung festigte, führte ab 1994 ein V-Mann an – Tino Brandt.

Der allerdings arbeitete für das Landesamt für Verfassungsschutz. Die Brüder Ron und Gil E. sollen dagegen nach MDR-Informationen für die Polizei »gespitzelt« haben – falls dies das richtige Wort ist, wenn man mutmaßlich selbst treibende Kraft krimineller Machenschaften ist. Es ging um Sprengstoff und Drogengeschäfte. Einer der Brüder sei zwischen 1993 und 1994 fast ein Jahr vom LKA als »Vertrauensperson« geführt worden, der andere Mitte der 1990er Jahre nur für wenige Wochen. (jW

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