30. Mai 2016

100 Millionen für Milchbauern


Schon 8.000 Betriebe sind eingegangen, weitere sind kurz vor der Pleite

Die deutschen Milchbauern sollen angesichts drastisch gesunkener Preise Soforthilfen im Umfang von mindestens 100 Millionen Euro bekommen. Über die genaue Höhe werde er noch Gespräche führen, sagte Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) nach einem »Milchgipfel« mit Vertretern der Bauern und Molkereien sowie des Handels am Montag in Berlin. Damit Landwirte finanzielle Engpässe überbrücken können, soll das Hilfspaket unter anderem zusätzliche Bürgschaften und steuerliche Entlastungen umfassen.

Die Milchpreise für die rund 75.000 Milchbauern in Deutschland sind teils unter 20 Cent je Liter gefallen. Die Landwirte bräuchten aber einen Preis von etwa 40 Cent, um kostendeckend arbeiten zu können. Anfang 2014 hatte er dieses Niveau – doch damals galt noch die inzwischen abgeschaffte EU-Milchquote, die die Produktionsmenge begrenzte. Weitere Faktoren wie die sinkende Nachfrage aus China oder das Russland-Embargo verschärfen die Krise. Viele Landwirte nehmen nicht mehr genug ein, um ihre Produktionskosten zu decken. Die Folgen: Kredite können nicht mehr bedient, Gerätewartungen und Tierärzte nicht mehr bezahlt werden.

Für den »Milchgipfel« hatte Schmidt schnelle Unterstützung angekündigt, damit Landwirte finanzielle Engpässe überbrücken können. Dabei geht es um Kredite, Bürgschaften und steuerliche Entlastungen. Die Landesagrarminister waren gestern nicht eingeladen – mit ihnen wolle er nächste Woche sprechen, sagte Schmidt. »Auch die Länder müssen ja ihre Verantwortung mit wahrnehmen, und ich höre ja durchaus Signale, dass man das will.«

Parallel zum »Milchgipfel« protestierte der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter mit einer Aktion am Brandenburger Tor. 8.000 Gummistiefel auf dem Pflaster symbolisierten die Zahl der aufgegebenen Höfe. Der Vorsitzende Romuald Schaber sagte: »Wenn den Bauern Geld zur Verfügung gestellt wird, dann muss es an die Bedingung geknüpft werden, dass sie weniger produzieren.« Um Mengen zu senken, fordert der Verband unter anderem einen Bonus von 30 Cent für das Nichtproduzieren eines Liters Milch.

Das sieht auch Friedrich Ostendorff so, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag: »Die Menge muss runter. Wenn die Milchmenge so hoch bleibt, wie sie in Europa ist, wird es keine Besserung geben. Die Welt braucht unsere Milch eben nicht.« Grundsätzlich seien strukturelle Änderungen auf dem Milchmarkt nötig, sagte auch Minister Schmidt: »Ein ›weiter so‹ kann es nicht geben.« (Reuters/dpa/jW)

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