9. Februar 2016

Witzischkeit kennt kein Pardon



Die Karnevalsumzüge des Wochenendes nutzten sogenannte Narren mancherorts, menschenverachtender Hetze freien Lauf zu lassen. Ein zum Panzer umgebauter Motivwagen beim Fasching im oberbayerischen Steinkirchen ist ins Visier der Justiz geraten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Volksverhetzung, wie ein Justizsprecher in Ingolstadt am Montag sagte. Das martialische Pseudokriegsgerät (Foto) trug die Aufschriften »Ilmtaler Asylabwehr« und »Asylpaket III«. Dazu war das von der Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs verwendete Balkenkreuz aufgemalt. Die Urheber des Wagens wollten dies nicht als Hommage an den kalauernden Heinz Schenk begriffen wissen, der die grenzen- und pardonlose »Witzischkeit« besang, sondern explizit als Statement gegen Flüchtlinge. »Ich will nicht, dass wir uns hier in Deutschland verändern müssen«, sagte einer von ihnen dem Donaukurier. Auch in Thüringen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen eines Karnevalswagens. Eine Lokomotive war in Wasungen zu sehen – versehen mit den Aufschriften »Balkan-Express« und »Die Ploach kömmt« (Die Plage kommt). Die Narren trugen Heuschreckenkostüme. Wohl keine Folgen für die mutmaßlich rechten Täter wird die Schändung eines Mahnmals im sächsischen Heidenau haben, das an die dortigen rassistischen Krawalle im August 2015 erinnert. Der 15 Meter lange Schriftzug »Miteinander« wurde vollständig schwarz-weiß-rot übermalt – den Farben des Deutschen Reichs und der Nazis. Wie die Polizei mitteilte, werde der Sache nicht nachgegangen. Heidenaus Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU) verzichtete auf eine Anzeige. Er sehe den Vorfall nicht unbedingt als Beschädigung, sagte er gegenüber dpa. Die Installation sei dazu gedacht, dass sich Menschen darauf verewigten. (jW)

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