16. Februar 2016

Werbeträger des Tages: Klopapier

Der niederländische Staat hat laut der Zeitung AD einer Gruppe von Bürgern aus Arnhem einen Kostenzuschuss in Höhe von 48.000 Euro für Klopapier bewilligt. Bei den glücklichen Empfängern handelt es sich aber nicht etwa um eine Selbsthilfegruppe, die gegen nervösen Durchfall kämpft. Es geht den Antragstellern mehr um diplomatischen Dünnpfiff, genauer gesagt um das geplante Assoziierungsabkommen zwischen der EU und der Ukraine. Mit dem Geld sollen Rollen von Toilettenpapier mit Parolen gegen den anstehenden Vertrag bedruckt werden. Nach dem Motto: Alles für’n Arsch.

Die Niederländer dürfen nämlich am 6. April in einem Referendum darüber abstimmen, ob sie eine engere Zusammenarbeit mit Kiew wünschen. Für den gerade in Gang kommenden Wahlkampf stehen aus der Staatskasse zwei Millionen Euro zur Verfügung, die eine Kommission in Den Haag gerecht unter Gegnern und Befürwortern aufteilen muss. Das bedruckte Klopapier war den Sachbearbeitern offensichtlich einen kräftigen Zuschuss wert.

Laut Umfragen liegen im Moment die Gegner des Abkommens vorne. Das sorgt auch in Brüssel für Unruhe. »Ich hoffe von Herzen, dass die Niederländer nicht nein sagen«, nahm Jean-Claude Juncker die Niederländer neulich noch ins Gebet. »Brüssel macht sich in die Hose!« höhnten die Gegner.

Vielen Wählern geht das, was der nette Herr Juncker sagt, inzwischen am Allerwertesten vorbei. Sie befürchten, dass aus dem Assoziierungsabkommen über kurz oder lang ein EU-Beitritt der Ukraine wird. Dafür wird sich aber selbst in den sonst so europafreundlichen Niederlanden wahrscheinlich keine Mehrheit finden. Und auch wenn das Abstimmungsergebnis für Ministerpräsident Mark Rutte nicht bindend ist, wird er ein Nein kaum zu ignorieren wagen. Sonst könnte es für seine Koalition bald auch in den Orkus gehen.jw

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