5. Februar 2016

Probelauf für den Arbeitsmarkt


Integration: IG Metall fordert betriebliches Integrationsjahr für Flüchtlinge und Langzeitarbeitslose

Die IG Metall schlägt ein betriebliches Integrationsjahr für anerkannte Flüchtlinge und für Langzeitarbeitslose vor. Offenbar in Anlehnung an den Kanzlerinnenspruch (»wir schaffen das«) sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Jörg Hofmann am Donnerstag in Berlin: »Alle müssen sich der Herausforderung der beruflichen Integration stellen – sie ist machbar.«

»Um einen Einstieg in unseren sehr ausdifferenzierten und komplexen Arbeitsmarkt zu finden, benötigen wir stimmige Einstiegsmodelle.« Das Integrationsjahr soll neben einem Arbeitsplatz auch Sprachkurse für die Flüchtlinge umfassen. Qualifizierung und Arbeit sollen betriebsnah kombiniert werden. Finanziell gefördert würde das von der Bundesagentur für Arbeit. Dafür sollten bereits vorhandene Programme genutzt werden.

Wichtig für die gesellschaftliche Akzeptanz des Vorschlages dürfte sein, dass ein entsprechendes Programm für alle am Arbeitsmarkt Benachteiligten offenstehen soll. »Es gilt das Prinzip: Gleiche Ansprüche für alle, die unsere gesellschaftliche Unterstützung benötigen«, betonte Hofmann laut einer Mitteilung.

Offenbar hält die Gewerkschaftsspitze die deutsche Wirtschaft nicht für willens oder fähig, diesen Integrationsprozess selbst anzustoßen. Außer wohlfeilen Bekundungen, welch große Chance Flüchtlinge für das deutsche Kapital seien, ist bisher wenig geschehen. Und von Langzeitarbeitslosen redet in den Chefetagen der Unternehmen ohnehin niemand.

Also prescht die IG Metall vor: Ziel sei es, möglichst schnell den »Zugang zu Arbeit« zu ermöglichen und diese mit notwendiger Qualifikation zu verbinden, hieß es. Dies solle auf Basis der tariflichen Entgelte erfolgen und »der Arbeitgeber durch das heute schon vorhandene Instrument des Eingliederungszuschusses für seine Integrationsleistung entlastet« werden. Zudem wären auch Teilzeitmodelle denkbar, die zusätzliche sprachliche Qualifikationen für Flüchtlinge, auch teilweise außerhalb der Arbeitszeit, ermöglichen.

Ein Integrationsjahr biete bessere Chancen für eine Anschlussbeschäftigung im Betrieb. Dazu könne die berufliche Qualifizierung beispielsweise über den in der Metall- und Elektroindustrie bestehenden Tarifvertrag Bildungsteilzeit oder das WeGebAU-Programm (Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen) der Bundesagentur für Arbeit fortgesetzt werden.

Von den rund eine Million Flüchtlingen, die 2015 nach Deutschland gekommen sind, werde nach Schätzung der Bundesregierung ungefähr die Hälfte für längere Zeit bleiben. Rund 70 Prozent von ihnen sind demnach unter 30 Jahre alt. Laut Bundesagentur werden dem Arbeitsmarkt durch die Schutzsuchenden rund 380.000 Menschen zusätzlich »zur Verfügung stehen«.

Die Gewerkschaft lobt ihre Idee auch kräftig: Mit dem Integrationsjahr wird ein klarer Rahmen für Arbeitgeber, Beschäftigte und die BA beschrieben, der Möglichkeiten für eine passgenaue Umsetzung schafft. »Ob Integration gut oder schlecht verläuft, hängt davon ab, wie wir sie gestalten«, sagte Hofmann. »Arbeit ist ein zentraler Baustein für gesellschaftliche Integration.« (jW)
jw

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