15. Februar 2016

Pegidas Peripherie auf der Straße



Rechte »Bürgerbewegungen« Sachsens und Thüringens mobilisieren für Sternmarsch in Zwickau
Von Michael Merz

Die Peripherie von Pegida regt sich. Rechte Organisationen, die unter dem Deckmantel »Bürgerbewegung« in sächsischen und thüringischen Städten Kundgebungen veranstalten, wollen am Sonnabend in einem Sternmarsch durch Zwickau ziehen. Am Hauptmarkt sollen sich die Aufmärsche treffen. Der einzige Redner, der für diesen Tag angekündigt ist: Jürgen Elsässer, Chefredakteur der Rechtsaußenpostille Compact. Dem Aufruf zur Werbeveranstaltung für sein Magazin sollen Demonstranten aus 13 Orten folgen, in denen rechte Scharfmacher Stimmung gegen Flüchtlinge machen.

Mobilisiert wird unter anderem in Einsiedel, einem Stadtteil von Chemnitz, wo mit Pegida-Unterstützung im Herbst letzten Jahres über einen Zeitraum von mehreren Wochen der Ort einer geplanten Asylbewerberunterkunft belagert wurde. Oder auch in Schneeberg – in der Stadt im Westerzgebirge kam es 2013, lange Zeit vor Lutz Bachmanns Höhenflug in Dresden, auf Betreiben der NPD zu rassistischen Aufzügen. Darüber hinaus sind Gruppen vertreten, die es erst seit einigen Monaten gibt und stets betonen, in der »Mitte« der Gesellschaft zu stehen. Dazu gehört das seit Herbst 2015 existente »Bürgerforum Altenburg«. Hier war Elsässer kürzlich zu Gast, Redner bei der nächsten Demonstration in der Skatstadt soll der neurechte Intellektuelle Götz Kubitschek sein.

Bei allem an den Tag gelegten Aktionismus bezüglich des Sternmarschs in Zwickau ist zu beobachten, dass die Teilnehmerzahlen bei Kundgebungen der lokalen Gruppierungen stetig schwinden. Das ist in Altenburg so, aber auch im vogtländischen Plauen, wo die Organisation »Wir sind Deutschland« (WsD) im Herbst bis zu 5.000 Leute auf die Straße brachte (jW berichtete). Am vergangenen Sonntag standen laut Polizeiangaben noch etwa 350 Zuhörer auf dem Plauener Altmarkt und beklatschten die altbekannte Melange aus Ressentiments und Panikmache gegenüber Flüchtlingen. In der Stadt gab es in den letzten Wochen Auseinandersetzungen über den künftigen Umgang mit WsD. Eine Dialogreihe mit der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Politikern und Flüchtlingshelfern ließ WsD unlängst platzen. Für Aufsehen sorgte, dass Migranten in der Runde als »vollgefressene Drecksschweine« bezeichnet wurden und eine uniformierte »Heimatschutzbrigade« im Publikum saß. Die rechte Bewegung will künftig unter eigener Flagge weiter »diskutieren«. Auf der Kundgebung am Sonntag machte der regelmäßig bei WsD auftretende Politiker Ulrich Lupart (DSU) unterdessen klar, dass Ausgrenzung nicht nur für Flüchtlinge gilt. Der Valentinstag, schwadronierte er laut Freie Presse, sei ein »Fest der Liebe zwischen Mann und Frau« und nicht der Schwulen und Lesben.

jw

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen