2. Februar 2016

»Nur« rund drei Millionen


Bundesagentur vermeldet leichte Zunahme der Erwerbslosigkeit im Vergleich zum Vormonat. Amtlich: Januar 2016 mit niedrigstem Stand seit 1991
Von jW-Bericht

Die amtlich zugegebene Zahl der von Erwerbslosigkeit betroffenen Menschen in Deutschland nähert sich der Dreimillionengrenze. Nach Angaben der für die Registrierung und Verwaltung der Betroffenen zuständigen Bundesagentur für Arbeit waren im Januar 2,92 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter ohne Job – 239.000 mehr als im Dezember. Die Quote nahm um 0,6 Punkte auf 6,7 Prozent zu, wie die Nürnberger Behörde am Dienstag bekanntgab.

Dennoch versuchten die Verantwortlichen Optimismus zu verbreiten. Die im Januar ermittelte Zahl markiere den niedrigsten Januarwert seit dem Jahr 1991, hieß es. Im Vergleich zum Vorjahr waren der Agenturzählweise zufolge 111.000 Personen weniger von Arbeitslosigkeit betroffen.

Die Verschärfung der Situation seit Dezember wurde von der Bundesagentur als nicht besonders bemerkenswert angesehen: Eine Zunahme der Arbeitslosigkeit im Januar sei wegen der Winterpause üblich, hieß es. Der Anstieg falle in diesem Jahr geringer aus als in den Vorjahren. Behördenchef Frank-Jürgen Weise sagte: »Die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt hat sich zum Jahresbeginn fortgesetzt: Aus jahreszeitlichen Gründen ist die Arbeitslosigkeit im Januar zwar gestiegen, saisonbereinigt gab es aber erneut einen deutlichen Rückgang.«

Chronistenpflicht ist es anzugeben, dass die amtlichen Zahlen kein vollständiges Bild erlauben: Herausgerechnet aus der Statistik sind beispielsweise weiterhin Personen in Weiterqualifizierungsmaßnahmen und vor allem Menschen, die angeblich nicht »aktiv« nach einem Job suchen.

Auch die Zahl der Beschäftigten soll erneut gestiegen sein, ebenso wie die Anzahl der »offenen Stellen« in Unternehmen. Nach den jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes vom Dezember erhöhte sich auch die die Zahl der Erwerbstätigen insgesamt gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 44.000 auf 43,3 Millionen Personen. Das waren 439.000 mehr als im Vorjahr. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung legte nach der Hochrechnung der Bundesagentur von Oktober auf November um 76.000 auf 31,39 Millionen Menschen zu, 757.000 mehr als vor einem Jahr.

Ominös wie immer die Meldung, die Unternehmen suchten weiter nach neuen Mitarbeitern: Die Zahl der offenen Stellen stieg den Angaben zufolge im Januar im Vergleich zum Vorjahr um 96.000 auf 581.000. Besonders gesucht seien Arbeitskräfte in den Berufsfeldern Verkauf, in der Mechatronik, in Energie- und Elektrotechnik sowie in Verkehr und Logistik.

Weniger »schön« sieht die Lage im gemeinsamen Währungsraum aus. In den Euro-Staaten waren nach Angaben der EU-Stastikbehörde Eurostat 16,75 Millionen Menschen ohne Arbeit. Mit einer Quote von 10,4 Prozent ist das auch zu Beginn des achten Jahres nach Krisenausbruch kein Ausweis zivilisatorischer Höhenflüge. Das Luxemburger Amt betont, dass die Zahlen – wenn auch nur leicht – sinken. Die Quote ging im Januar um 0,1 Prozent zurück – und sie sei damit auf dem niedrigsten Stand seit 2011 angekommen, hieß es. In der gesamten EU lag diese Kennziffer bei runden neun Prozent. Die »wirtschaftlich dynamischste Region der Erde« (EU-Ziele von Lissabon im Jahr 2000 für das Jahr 2010) verharrt also weiter in den Niederungen der Realität. (Quellen: dpa)
jw

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen