3. Februar 2016

Neonazis bekommen Oberwasser


Übergriffe in Düsseldorf und Duisburg: Nach Angriffen auf Flüchtlinge attackieren Rechte zunehmend auch Antifaschisten
Von Markus Bernhardt

Erst Ende der letzten Woche hatten die Behörden in Nordrhein-Westfalen darüber informiert, dass sich die Anzahl rassistischer Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte 2015 im Vergleich zu 2014 auf 214 Fälle verachtfacht habe (jW berichtete), nun kam es in verschiedenen Städten zu Attacken von extremen Rechten und Rassisten auf Neonazigegner.

So hatte am Montag abend in der Freizeitstätte Düsseldorf-Garath das Gründungstreffen des antifaschistischen Bündnisses »Garath stellt sich quer« stattgefunden, an dem über 40 Bürger, darunter auch Mitglieder der Bezirksvertretung und andere stadtteilweit bekannte Vertreter der sogenannten Zivilgesellschaft teilgenommen hatten, um künftige Aktivitäten gegen Neonazis und Rassisten besser zu koordinieren. Gegen die Gründung des antifaschistischen Bündnisses machte die rechte Splitterpartei »Die Republikaner« mobil. Über 50 Rechte versammelten sich in direkter Nähe der Freizeitstätte zu einer Kundgebung. Danach griffen etwa 30 einschlägig bekannte Mitglieder der rechten Szene die Besucher des Gründungstreffens von »Garath stellt sich quer« mit Flaschen an und bedrohten diese mit Billardstöcken. Die zuvor anwesende Polizei war zu diesem Zeitpunkt bereits abgerückt, obwohl sie aufgrund der Bedrohungslage aufgefordert worden war, die Sicherheit der Anwesenden zu gewährleisten.

»Dieser Angriff der Rechten war absehbar, bereits seit Wochen wird die örtliche Bezirksvertreterin der Linkspartei von dem gleichen Personenkreis massiv bedroht. Umso unverständlicher ist der Abzug der Polizei an diesem Abend, obwohl der rechte Mob weiter pöbelte. Das war wie eine Einladung an die Rechten, die diese dann auch genutzt haben«, kritisierte Judith Behrens, Sprecherin der Antifa-AG der Interventionistischen Linken Düsseldorf »See red!«, am Mittwoch auf jW-Anfrage.

Es bestehe kein Zweifel, dass »gewaltbereite Rassisten im Stadtteil Garath ein Problem sind«, monierte auch das neu formierte Bündnis. »Mit Sorge beobachten wir den nachlässigen Umgang der Polizei mit dieser mehrere Dutzend Personen umfassenden Gruppe aus rechten Hooligans und gewaltbereiten, alkoholisierten Männern«, kritisierte auch Christian Jäger, Sprecher des antifaschistischen Netzwerks »Düsseldorf stellt sich quer«.

Die Polizei hatte hingegen ursprünglich von »zwei Gruppierungen, die sich gegenseitig beschimpften, unmittelbar danach attackierten und gegenseitig mit Flaschen bewarfen« berichtet. Diese Darstellung sei jedoch »wahrheitswidrig«, so Judith Behrens.

Bereits am vergangenen Sonnabend war es bei einem Infostand des linken Bündnisses »Duisburg stellt sich quer!« in der Innenstadt der Ruhrgebietsmetropole zu einem Angriff von lokalen Anhängern des rassistischen Pegida-Netzwerks auf Antifaschisten gekommen. Zudem wurden bei mehreren Teilnehmern des wöchentlichen »Abendspaziergangs« von Pegida NRW Pfefferspray, Schlagwerkzeuge und Quarzhandschuhe gefunden, wie die Polizei berichtete. Insgesamt waren am Montag 300 extreme Rechte in Duisburg aufmarschiert. An den antifaschistischen Gegenprotesten nahmen bis zu 200 Personen teil. Ein Sprecher des »Duisburger Netzwerks gegen Rechts« betonte am Mittwoch gegenüber dieser Zeitung, dass man sich auch zukünftig nicht von der Gewaltbereitschaft der Neonazis einschüchtern lassen, sondern vielmehr in den kommenden Wochen gegen diese mobil machen werde.
jw

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