6. Februar 2016

Mölders-Feier »privat«


Bundeswehr leistet für Verherrlichung von Wehrmachtsoffizier aktive Unterstützung
Von Ulla Jelpke

Die Bundeswehr duldet nicht nur die Glorifizierung des Wehrmachtsoffiziers Werner Mölders durch Gedenkfeiern auf militärischem Gelände, sie leistet diesen Umtrieben auch dauerhafte Unterstützung. Nachdem jW im vorigen Jahr über die Feierlichkeiten zum Todestag des Jagdfliegers berichtet hatte (vgl. Ausgaben 21.10. und 25.11.2015), erkundigte sich die Linksfraktion in einer kleinen Anfrage nach dem Verhältnis der Bundeswehr zu Mölders.

Der hatte im spanischen Bürgerkrieg der »Legion Condor« angehört, auf deren Konto etwa die Zerstörung der Stadt Guernica ging. Der Bundestag hatte bereits 1998 einem Antrag der PDS zugestimmt, auf jegliches ehrende Gedenken für ehemalige Condor-Angehörige zu verzichten. 2005 wurde dann endlich das nach dem Piloten benannte Jagdgeschwader 74 umgetauft. Dennoch finden auf der Luftwaffenbasis Zell weiterhin Mölders-Feiern statt – ausgerichtet von der »privaten« »Mölders-Vereinigung«.

Zu den Versuchen von Mölders-Anhängern, ihr Idol als mindestens »unpolitisch«, wenn nicht sogar als heimlichen Widerstandskämpfer und Judenretter darzustellen, hatte das »Militärgeschichtliche Forschungsamt« der Bundeswehr bereits 2004 festgehalten, dass »ein grundsätzlich regimekritisches Verhalten von Mölders nicht belegbar« sei.

Dennoch duldet die Bundeswehr nicht nur die – als »Jahrestreffen« verharmlosten – Mölders-Feiern auf ihrem Gelände, sondern hat den Mölders-Fans auch noch drei Räume in der »Wilhelm-Frankl-Kaserne« überlassen – unentgeltlich. Dort finden Redaktionsbesprechungen der Zeitschrift »Der Mölderianer« statt, und »einzelne Geschwaderangehörige erstellen freiwillig während der Dienstzeit in Nebenfunktion gelegentlich redaktionelle Beiträge«, so die Bundesregierung. Die Zeitschrift hat es in sich: In der Septemberausgabe aus dem vorigen Jahr hieß es, Mölders sei »vor dem Holocaust und bevor der Ostfeldzug sich zum Vernichtungskrieg steigerte« gestorben. Allerdings datiert Mölders Tod auf Ende November 1941, als Wehrmacht, Polizei und Einsatzgruppen schon fünf Monate lang in den besetzten sowjetischen Gebieten die jüdische Bevölkerung ermordeten, was die »Mölderianer« kurzerhand unterschlagen. Die Unterstützung der spanischen Faschisten wird in der gleichen Ausgabe unverhohlen gerechtfertigt: Hitler, so heißt es, »konterte damit den wachsenden sowjetischen Einfluss auf die sozialistische Volksfrontregierung Spaniens, die von der Sowjetunion auch militärisch massiv unterstützt wurde.« Von der Linksfraktion befragt, wieso die Bundeswehr ein Blatt unterstützt, das den faschistischen Angriff Francos, Mussolinis und Hitlers auf eine gewählte Regierung in eine Verteidigungshandlung umdeutet, weicht die Bundesregierung aus: Der Artikel gebe nur die Meinung des Verfassers wieder. Und gegen die Gedenkfeiern der »Mölders-Vereinigung« auf Bundeswehrgelände gebe es »keine rechtlichen Bedenken.« So wird der Bundestagsbeschluss durch eine formelle Privatisierung der Wehrmachts-Verherrlichung umgangen.jw

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