15. Februar 2016

In den Kopf geschossen


Mecklenburg-Vorpommern: Staatsanwalt ermittelt gegen Polizisten

Nach dem Schuss eines Polizisten auf den Kopf eines Autofahrers in Mecklenburg-Vorpommern hat dessen Anwalt schwere Vorwürfe erhoben. »Da ist schlampig ermittelt worden, es saßen die Falschen im Auto«, sagte Rechtsanwalt Benjamin Richert am Montag gegenüber dpa. Das Opfer schwebt weiter in Lebensgefahr. Der 27jährige werde in einem Krankenhaus in Schwerin behandelt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Montag.

Ein Mobiles Einsatzkommando (MEK) der Polizei aus Hamburg wollte am Freitag einen wegen Körperverletzung verurteilten Mann aus der Rotlichtszene festnehmen, der seine Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten nicht angetreten hatte. Er war jedoch nicht in dem Auto, das die Polizei in Lutheran bei Parchim stoppte – dafür zwei Männer, die Richert zufolge unbeteiligt waren. »Das waren Zufallsopfer, ein krasser Irrtum«, sagte er. Der lebensgefährlich verletzte Angeschossene habe sein rechtes Auge verloren. Sein Schädel sei verletzt, und er liege im künstlichen Koma. Nach den Worten des Anwalts hatten die beiden, die lose mit dem Gesuchten bekannt seien, den Wagen bei dessen Mutter ausgeliehen. Sie wollten demnach Dachbleche für den Bau eines Holzlagers transportieren. Das Auto war von Zivilfahrzeugen des MEK in der Ortschaft Lutheran abgedrängt und eingekeilt worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Schützen unterdessen wegen Körperverletzung im Amt, wie ein Sprecher gegenüber dpa sagte.

Laut dem Rechtsanwalt hatten Polizisten bereits zwei Tage zuvor im nahe gelegenen Plau einen Container gestürmt, der Arbeitern einer Baufirma als Pausenraum diente. Der Grund sei gewesen, dass das Auto des Gesuchten in der Nähe gestanden habe. Eine Sprecherin des Landeskriminalamtes Mecklenburg-Vorpommern erklärte, ein SEK der Landespolizei habe die Bauarbeiter, die in ihrem Fahrzeug saßen, zum Aussteigen aufgefordert und ihre Personalien überprüft. Dabei habe sich herausgestellt, dass der zur Fahndung Ausgeschriebene nicht dabei war. Richert vertritt nach eigenen Worten auch den Gesuchten. Er habe seinem Mandanten empfohlen, sich zu stellen, so der Jurist. Das habe der Mann auch für die nächsten 10 bis 14 Tage zugesagt. (dpa/jW)

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