11. Februar 2016

Hundewedler des Tages: Recep Tayyip Erdogan

Bisher lief alles wie geschmiert für Recep Tayyip Erdogan, der gern als Henker des syrischen säkularen Staates, der dort lebenden Alawiten und generell der Kurden in die Geschichte eingehen möchte. Die EU und insbesondere Angela Merkel macht er mit Erpressung handzahm: »Wir können die Tore nach Griechenland und Bulgarien jederzeit öffnen und die Flüchtlinge in Busse setzen.« Das sagte er laut einem am Montag geleakten Protokoll im Gespräch mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und EU-Ratspräsident Donald Tusk im November 2015. Berlin und Brüssel haben verstanden und lassen dem IS-Paten und Kurdenschlächter freie Hand. Angela Merkel hat in Ankara gerade gesagt: Der Mörder in Syrien ist immer der Russe.

Mit den USA hat es der neue Sultan von Ankara nicht so leicht. Ein Besuch des US-Sondergesandten für den Kampf gegen den »Islamischen Staat« (IS), Brett McGurk, am 1. Februar bei den Kämpfern im syrisch-kurdischen Kobani brachte Erdogan zur Weißglut. Zumal Mc Gurk dabei die kurdischen Einheiten als »kampf­erprobte, multiethnische Anti-IS-Kämpfer« lobte, mit denen er die nächsten Schritte der »Syrien-Kampagne« erörtert habe. Eine Niederlage seiner Kopfabschneider oder gar Frieden sind Erdogans Alptraum. Er fragte daher die USA: »Bin ich euer Verbündeter oder die Terroristen von Kobani?« Am Montag antwortete US-Außenamtssprecher John Kirby kühl, die Partei PYD sei »keine Terrororganisation«. Wegen dieser Äußerung wurde am Dienstag der US-Botschafter in der Türkei einbestellt, um ihm das »Unbehagen« Ankaras auszusprechen. Am Mittwoch legte Erdogan nach: Weil Washington die PYD und deren bewaffneten Arm YPG nicht als Terrorgruppe einstufe, habe es ein »Blutbad in der Region« angerichtet. Vor Bezirksvorstehern in Ankara fragte er: »Ey Amerika, seid ihr auf unserer Seite oder auf der Seite der Terrororganisation PYD und YPG?« Da will mal wieder der Schwanz mit dem Hund wedeln. Lange geht das nicht. (asc) jw

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