5. Februar 2016

Angeblich Anschlag verhindert


Wieder eine schwer überprüfbare Erfolgsmeldung – diesmal mit Festnahmen
Von Claudia Wangerin

Sicherheitsbehörden rühmen sich erneut, einen islamistischen Terroranschlag in Deutschland verhindert zu haben. Bei einer großangelegten Razzia Hunderter Polizisten in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sei am Donnerstag eine Terrorzelle von Anhängern des »Islamischen Staates« (IS) zerschlagen worden, meldete die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Nach Angaben der Polizei in Berlin wird gegen vier Algerier wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt. Festgenommen wurden nach Polizeiangaben zunächst zwei Männer und eine Frau. »Es geht um mögliche Anschlagsplanungen für Deutschland – konkret für Berlin«, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Berlin, Martin Steltner, der dpa. Eine Verbindung zu den Terrorwarnungen an Silvester in München oder zur Absage eines Länderspiels in Hannover im November sei derzeit nicht zu erkennen, zitierte die Agentur »Sicherheitskreise«. Diesen zufolge soll die Polizei den ersten Hinweis vom Bundesamt für Verfassungsschutz erhalten haben. Der Inlandsgeheimdienst war auch für die Terrorwarnung in Hannover verantwortlich gewesen. Bisher wurde aber nichts gefunden, was das damalige Gerücht vom Sprengstoff, der mit einem Krankenwagen in das Fußballstadion gebracht werden sollte, bestätigen konnte. Auch wurden in diesem Fall bisher keine Verdächtigen gefasst. Anders am Donnerstag – aber noch gilt die Unschuldsvermutung, zumal bei der Razzia keine Waffen gefunden wurden. Einer der Festgenommenen soll mit seiner Frau und zwei Kindern in der Flüchtlingsunterkunft im sauerländischen Attendorn gelebt haben. Laut Focus online halten die Ermittler den 35jährigen für den »Kopf« der Terrorzelle. Die Polizei in Berlin teilte mit, er sei den Ermittlungen zufolge in Syrien militärisch ausgebildet worden. Nach dpa-Informationen war er über die »Balkanroute« nach Bayern gekommen und dort als Asylsuchender registriert worden. Nach Hinweisen auf Anschlagspläne sei er in Nordrhein-Westfalen ausfindig gemacht worden. Laut B. Z. hatte sich der Algerier als Syrer ausgegeben.

Bild und B. Z. nannten am Donnerstag unter Berufung auf »Ermittler« den Berliner Alexanderplatz als mögliches Anschlagsziel – Behördensprecher Steltner habe dies »nicht dementieren« können. Zwei Verdächtige sollen laut B. Z. zuletzt in einem Imbiss und in einem Backshop am U-Bahnhof Alexanderplatz gearbeitet haben.

jw

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