1. September 2015

Unsicheres Umfeld


Steinmeier in Afghanistan
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) war am Sonntag ein paar Stunden lang in Afghanistan. Er verzichtete auf einen Besuch des Bundeswehrlagers in Masar-i-Scharif, der normalerweise fester Programmpunkt ist, und beschränkte sich auf die Hauptstadt Kabul. Statt dort, wie üblich, im gepanzerten Wagen vom Flughafen in die Stadt zu fahren, benutzte der Minister erstmals einen »Black Hawk«-Hubschrauber der US-Streitkräfte, um sich zum NATO-Hauptquartier fliegen zu lassen – vorschriftsmäßig gesichert durch Panzerweste und Schutzhelm. Angeblich lagen vier konkrete »Terrorwarnungen« vor, die sogar Autotypen und -kennzeichen enthielten. Die Sicherheitslage in Kabul ist offenbar schlechter als zu irgendeinem Zeitpunkt seit dem Einzug der von den USA und Großbritannien militärisch unterstützten Truppen der Nordallianz am 13. November 2001.

Das PR-Highlight war ein Fototermin Steinmeiers mit afghanischen Schülerinnen und Schülern, die mit schwarzrotgoldenen Papierfähnchen – zu DDR-Zeiten »Winkelemente« genannt – ausgestattet worden waren. Spiegel-Redakteur Matthias Gebauer beschrieb den Vorgang so: »Eigentlich wollte er eine von Deutschland geförderte Mädchenschule in Kabul besuchen, dafür wurden extra kistenweise Fußballtrikots in den Regierungs-Airbus geladen. Am Ende aber wäre der Trip für die Ministerkolonne zu gefährlich gewesen. Also wurden die Schülerinnen per Bus zu einer Festhalle innerhalb des Regierungsviertels gekarrt, um dem Minister freundlich ›Guten Tag‹ zuzurufen.«

Für Steinmeier zu gefährlich, aber für afghanische Mädchen okay? Das klingt nicht gut. Der offizielle Bericht auf der Website des Außenministeriums erwähnt weder Sicherheitsprobleme noch Festhalle, sondern spricht nur von einem Besuch an der Amani-Schule »im Herzen Kabuls«.

Auf eine am Montag an die Pressestelle des Ministeriums gemailte Frage nach dem Spiegel-Bericht gab es keine Reaktion. (kt) jw

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