26. August 2015

Tränengas gegen Flüchtlinge



Zusammenstöße in Ungarn. Budapest will Armee an Grenze schicken. Westbalkankonferenz in Wien
Von Roland Zschächner

Am Mittwoch morgen ist es in einem Aufnahmelager für Flüchtlinge im südungarischen Röszke nahe der Grenze zu Serbien zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Asylsuchenden gekommen. Die Beamten setzten Tränengas ein. Laut Nachrichtenagentur AFP versuchten die Migranten, sich der Registrierung durch die ungarischen Behörden zu entziehen.

Am Dienstag war die Zahl der Flüchtlinge, die von Serbien aus nach Ungarn kamen, auf rund 2.500 angestiegen. Viele Migranten versuchen, das EU-Land zu erreichen, bevor der angekündigte Grenzzaun vollständig fertiggebaut ist. Immer wieder überwinden Menschen die bereits errichteten und mit NATO-Draht versehenen Abschnitte der Sperranlage.

Um dies zu verhindern, wird bis Mitte September das geplante »Grenzjägerbataillon« einsatzbereit sein. Wie der ungarische Polizeikommandant Károly Papp am Mittwoch in Budapest bekanntgab, sollen der Einheit rund 2.100 Polizisten angehören.

Die rechte Regierung will zudem die Armee an die Grenze entsenden. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch meldete, wird das Parlament in der kommenden Woche über den Vorschlag beraten.

Die Situation der Flüchtlinge ist auch Thema auf der gestern abend in Wien eröffneten »Westbalkankonferenz«. Das Treffen wird am heutigen Donnerstag fortgesetzt. Neben dem österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann und dessen deutscher Amtskollegin Angela Merkel werden auch die Regierungschefs der ehemaligen jugoslawischen Republiken, die nicht Mitglied der EU sind, sowie Offizielle aus dem Kosovo und Albanien an der Zusammenkunft teilnehmen.

Die Transitländer Serbien, Mazedonien und Ungarn fordern von der EU mehr finanzielle und materielle Unterstützung für die Versorgung der Flüchtlinge. Die EU-Kommission hat Belgrad und Skopje 1,5 Millionen Euro zugesagt. Die Bundesregierung stellte eine Million Euro zur Verfügung.jw

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