24. August 2015

Grenze überwunden

Mazedonien: Tausende Flüchtlinge durchbrechen Polizeiabsperrung Von Roland Zschächner Tausende Flüchtlinge haben am Samstag abend und am Sonntag vormittag die Polizeiabsperrungen an der Grenze von Griechenland aus nach Mazedonien überwunden, um zum Bahnhof der nahen Stadt Gevgelija zu gelangen. Das berichtete die amtliche Nachrichtenagentur MIA. Der Polizei gelang es nicht, die Anstürmenden zurückzudrängen. Laut dem mazedonischen Nachrichtenportal Telegraf.mk hat sich die Lage im Laufe des Sonntags wieder beruhigt. Dem vorausgegangen waren Zusammenstöße zwischen Flüchtlingen und mazedonischen Sicherheitskräften am Freitag, nachdem letztere Absperrungen mit sogenannten NATO-Draht, versehen mit rasiermesserscharfen Widerhaken, errichteten. Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein. Mehrere Menschen wurden verletzt, laut Augenzeugen seien auch Kinder darunter gewesen. Am Samstag besuchte der mazedonische Innenminister, Mitko Cavkov, Gevgelija. Er sagte, dass Griechenland den Schutz der Grenze aufgegeben habe. Außerdem kündigte er laut MIA an, diese werde mit Hilfe der Armee für »unkontrollierte Übertritte« geschlossen, da sonst eine »humanitäre Krise« drohe. Immer wieder kämen dort Flüchtlinge an, die Mehrheit von ihnen sei aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. Am Donnerstag hatte zudem die Regierung in Skopje über zwei Grenzregionen den Ausnahmezustand verhängt und die Armee in die Gebiete entsandt. Seitdem harrten Tausende Menschen im Niemandsland zwischen Mazedonien und Griechenland aus. In der Nacht zu Samstag hatte es stark geregnet, die mazedonischen Behörden versorgten die Flüchtlinge mit Lebensmitteln und Wasser. Die Polizei hatte am Samstag, wie angekündigt, damit begonnen, die Flüchtlinge nur noch kontrolliert und in Gruppen über die Grenze zu lassen. Es sollte nur so vielen Menschen der Übertritt gewährt werden, wie in den in Gevgelija wartenden Zügen Platz haben. Dabei sollten vor allem »gefährdete« Personen wie Kinder, Frauen und Alte Vorrang haben. In den vergangenen Tagen war es am Bahnhof von Gevgelija immer wieder zu Chaos gekommen, als Tausende Menschen versuchten, einen der rund 700 Plätze in den überfüllten Waggons Richtung Norden zu bekommen. Mazedonien ist ein Transitland für Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Westeuropa. Migranten können die staatlichen Verkehrsmittel kostenlos benutzen. Die Regierung in Skopje hat einen Pendelverkehr mit Zügen zwischen den Grenzstädten Gevgelija im Süden und Tabanovce im Norden eingerichtet. Von dort gelangen die Migranten nach Serbien, wo sie in Preševo registriert und anschließend mit Bussen nach Belgrad gebracht werden. Wie die Nachrichtenagentur Tanjug am Sonntag berichtete, hat die mazedonische Polizei neben Zügen auch erstmals Busse und Taxis für den »inoffiziellen« Weitertransport der Flüchtlinge an die Grenze zu Serbien organisiert. Laut Tanjug bildeten sich in der Nacht zu Sonntag lange Schlangen vor dem »Empfangszentrum« in Preševo. Rund 4.000 Flüchtlinge sollen dort am Wochenende angekommen sein. jw

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