24. August 2015

Die Träume verteidigen

Vor einem Monat wurden 33 Internationalisten beim Anschlag in Suruc ermordet Von Sibel Schick, Michael Streitberg Einen Monat nach dem Attentat in Suruc sind die Mitglieder der Jugendorganisation Föderation Sozialistischer Jugendvereine (SGDF) entschlossen, sich nicht einschüchtern zu lassen. Die Gruppe will nicht nur die Erinnerung an ihre getöteten Genossen wachhalten. Ein Attentäter hatte sich am 20. Juli während einer Pressekonferenz im Garten des linken Amara-Kulturzentrums in die Luft gesprengt. 31 Aktivisten der SGDF und anderer Gruppen wurden bei dem Anschlag ermordet, zwei starben später an ihren Verletzungen; mehr als 150 Menschen wurden verletzt. Die jungen Frauen und Männer wollten sich einer Solidaritätsbrigade zum Wiederaufbau der durch die Milizen des »Islamischen Staates« (IS) zerstörten syrisch-kurdischen Stadt Kobani anschließen. Bei dem Attentäter soll es sich um einen 20jährigen Türken aus der südöstlichen Provinz Adiyaman gehandelt haben. Türkische Behörden ließen verlauten, er sei im vergangenen Jahr illegal nach Syrien gereist. Bislang hat sich noch niemand zu dem Anschlag bekannt. Vertreter der in der Türkei herrschenden islamisch-konservativen AK-Partei von Präsident Recep Tayyip Erdogan gaben sich betroffen und erklärten, gegen den IS vorgehen zu wollen. Für die Mitglieder der SGDF sind solche Verlautbarungen Heuchelei. Seit Jahren unterstützt das AKP-Regime den IS, um die kurdische Bewegung in der Türkei und Syrien zu schwächen. Kurz nach dem Anschlag von Suruc hat die Türkei ihren Luftwaffenstützpunkt Incirlik für das von den USA geführte Militärbündnis gegen den IS geöffnet. Gleichzeitig wurde, wie von Ankara gefordert, im Norden Syriens eine »Schutzzone« eingerichtet. Seitdem führt die türkische Armee Krieg gegen die Kurdische Arbeiterpartei PKK und deren Guerillaeinheiten. Seit Beginn des Kampfes um Kobani ging der türkische Staat brutal gegen Menschen vor, die gegen die Unterstützung des IS protestierten oder vor Ort gegen die Dschihadisten kämpfen wollten. »Es ist nicht nur der IS, der Kobani angreift. Auch die Türkei und die AKP-Regierung«, erklärte der SGDF-Kovorsitzende Oguz Yüzgec im Gespräch mit junge Welt. »Für die Verteidigung dieser Revolution ist es notwendig, uns gegen diese Kumpanei zu wehren.« Mitglieder der SGDF kämpfen ebenso wie Aktivisten ihrer Mutterpartei, der Sozialistischen Partei der Unterdrückten (ESP), in Kobani. »Sinan Sagir und Emre Aslan, zwei unserer Genossen, fielen im Kampf gegen den IS in Kobani, ebenso wie Ivana Hoffmann«, sagte Yüzgec. Hoffmann war eine junge Kommunistin aus Duisburg, die nach Syrien reiste und sich den kurdischen Volksverteidigungskräften YPG bzw. den Fraueneinheiten YPJ angeschlossen hatte. Am 7. März wurde sie bei Kämpfen nahe der Stadt Tal Tamar getötet. Zentral für die SGDF ist der Kampf um die Frauenbefreiung, erläutert Yüzgec. Viele Frauen hätten sich den Bataillonen der YPJ angeschlossen, um sich gegen das brutale Vorgehen des IS zu wehren. Überlebende berichteten, wie Frauen von den Dschihadisten gefoltert, vergewaltigt und als Sklavinnen verkauft werden. Yüzgec ist sich sicher, dass die Unterstützung für die kurdischen Bewegung wachsen wird: »Wir werden es nicht zulassen, dass die Träume unserer in Suruc gefallenen Genossen zerstört werden.« jw

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