24. August 2015

Bauern gegen Dumpingpreise

Billige Milch bedroht Landiwrtschaftsbetriebe. Protestaktion gestartet Nach Bauernprotesten in mehreren europäischen Ländern wehren sich nun auch deutsche Landwirte gegen den Preissturz bei der Milch. Am Montag starteten Bauern im schleswig-holsteinischen Hohenwestedt – unterstützt von dänischen Kollegen – und im niedersächsischen Krummhörn mit insgesamt mehr als 50 Treckern Staffelfahrten quer durch Deutschland. Auch in Sachsen-Anhalt gingen Landwirte auf die Straße. Ziel ist eine große Protestkundgebung am 1. September in München. Proteste hat es bereits in Frankreich, Belgien und Dänemark gegeben. Im Zuge der EU-Agrarreform wurde die Milchquote zum 1. April abgeschafft. Seitdem drückt ein Überangebot den Preis. Dazu kommt Russlands Einfuhrverbot. Seit der Abschaffung der Quote ist der Preis, den Molkereien zahlen, auf etwa 26 Cent pro Liter gesunken. Im vergangenen Jahr hatte er noch bei über 40 Cent gelegen. Letztere Summe ist nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) nötig, um kostendeckend zu wirtschaften. Die Bauern verlören jährlich mehr als vier Milliarden Euro. In Hohenwestedt forderte BDM-Vorsitzender Romuald Schaber ein Eingreifen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Viele Betriebe seien gefährdet und hielten sich zur Zeit nur mit Krediten über Wasser. Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) warnte vor der größten Krise für Milchviehbetriebe seit Gründung der Bundesrepublik. Viele Unternehmen erhöhten verzweifelt ihre Produktion, was den Preisverfall noch beschleunige. »Wir wollen nicht, dass jetzt reihenweise Betriebe über die Wupper gehen«, sagte Habeck. Schaber und Habeck forderten, dass die sogenannte Superabgabe von 900 Millionen Euro zur Mengenreduzierung der Milchproduktion verwendet werde. Für den Verkauf oberhalb der festgesetzten Quote hatten Landwirte bisher Strafzahlungen – eben die Superabgabe – leisten müssen, die in diesem Jahr wegen des Wegfalls der Milchquote zum letzten Mal erhoben wurde. Bisher sei geplant, diese 900 Millionen Euro anderweitig zu verwenden, doch sollte dieses Geld zu den Milchbauern zurückfließen, forderte Habeck. Die EU-Agrarminister wollen am 7. September bei einem Sondertreffen über die Lage in der Landwirtschaft beraten. (dpa/jW)

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